Invasive Kardiologie

Die Koronare Herzerkrankung (KHK) gehört weltweit zu den häufigsten Erkrankungen und ist in westlichen Industrienationen für etwa 40 % aller Todesfälle verantwortlich. Die Herzkranzgefäße (Koronargefäße, Koronarien) versorgen den Herzmuskel mit sauerstoffreichem Blut. Verengungen (Stenosen) entstehen im Verlauf vieler Jahre durch Atherosklerose, d.h. Wachstum und Ablagerung von Bindegewebezellen, Blutplättchen, Cholesterin, Kalk u.a.m. Dadurch kann es zu einer gefährlichen Unterversorgung (Ischämie) des Herzmuskels kommen.

Nachfolgend finden Sie eine Erläuterung der Ursachen der Koronaren Herzerkrankung und einen Überblick über alle Untersuchungen, die an unseren Standorten durchgeführt werden oder von uns in geeigneten Einrichtungen veranlasst werden können.

Ursachen der Koronaren Herzerkrankung (KHK)

​Engstellen (Stenosen) in den Kranzarterien können zu einer Durchblutungsstörung des Herzmuskels führen (in der Regel ab einer Verengung von über 70 %). Die meisten Patienten verspüren dann typische Beschwerden: Angina pectoris: (Druckgefühl, Enge oder Brennen in der Brust, seltener im Oberbauch, dem Rücken, den Armen und dem Unterkiefer, aber auch in Form von Luftnot oder einem Leistungsknick).
Nicht beeinflussbare Risikofaktoren
  • Alter
  • männliches Geschlecht
  • familiäre (genetische) Veranlagung
Beeinflussbare Risikofaktoren
  • Rauchen
  • Bluthochdruck
  • Zuckerkrankheit (Diabetes)
  • Fettstoffwechselstörungen (v.a. Cholesterinerhöhung)
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Stress
Symptome

Zunächst tritt die Symptomatik typischerweise bei körperlicher Belastung auf (Belastungsangina), im Verlauf dann auch im Ruhezustand (Ruheangina). Manche Patienten, v.a. langjährige Diabetiker, können auch beschwerdefrei bleiben. In jedem Stadium der Erkrankung kann es plötzlich zu einem inkompletten oder kompletten Verschluss einer Kranzarterie durch ein Aufbrechen einer Ablagerung (Plaqueruptur) kommen. Folge ist meist ein Herzinfarkt. In den letzten Jahren hat sich der Begriff Akutes Koronarsyndrom durchgesetzt. Hierunter werden die verschiedenen Auswirkungsgrade der akuten Durchblutungsstörung zusammengefasst (instabile Angina pectoris, Nicht-ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI) und ST-Hebungsinfarkt (STEMI).

Bei Belastungsangina oder Nachweis einer relevanten Durchblutungsstörung durch Voruntersuchungen ist eine baldige (elektive), bei Akutem Koronarsyndrom eine sofortige (akute) Herzkatheteruntersuchung erforderlich. In der Regel erfolgt die Untersuchung ambulant, bei schweren Vorerkrankungen (u.a. Nieren- und Herzinsuffizienz) unter stationären Bedingungen.

Linksherzkatheteruntersuchung („großer Herzkatheter“, Koronarangiographie)

In örtlicher Betäubung wird ein dünner Katheter über eine punktierte Schlagader (in der Leistenbeuge, am Handgelenk oder in der Ellenbeuge) zum Herzen vorgeschoben und am Eingang des jeweiligen Herzkranzgefäßes platziert. Durch Einspritzung von Röntgenkontrastmittel können die Herzkranzgefäße und im Bedarfsfall die linke Herzkammer dargestellt werden. Auf diese Weise kann die Art und Schwere der Erkrankung festgestellt und danach die beste Behandlungsmethode festgelegt werden (nur Medikamente, Aufweitung der Gefäße mit Stentimplantation (s.u.), Bypassoperation.

  • Untersuchungsdauer: 15-20 Minuten (selten länger, z.B. nach Bypass-OP oder Anomalien)
  • Kontrastmittelmenge: 50-100 ml
  • Strahlenbelastung: 2-5 mSv (natürliche Strahlenbelastung pro Jahr 2,5-3 mSv)
  • Liegezeit danach: ambulant 1 Stunde, stationär 4 Stunden

Bei einem Teil der Patienten (besonders bei Herzklappenfehlern) muss zusätzlich, in der Regel von der rechten Leiste aus, ein Katheter über eine Vene ins rechte Herz und in den Lungenkreislauf eingeführt werden. Bei dieser als Rechtsherzkatheter („kleiner Herzkatheter“) bezeichneten Untersuchung wird in verschiedenen Abschnitten des Herzens durch den Katheter die Drücke und die Sauerstoffsättigungen des Blutes bestimmt. Dies bedeutet keine nennenswerte Ausweitung des Risikos und der möglichen Komplikationen.

Vor der Untersuchung:

  • Normale Trinkmenge, leichtes Essen
  • Falls notwendig Vorbehandlung wegen Nierenschwäche, Kontrastmitteallergie und Schilddrüsenfunktionsstörung
  • Einnahme der Medikamente wie üblich, Ausnahmen gelten für bestimmte Blutverdünner (Pradaxa®, Xarelto®, Eliquis®, Lixiana®, Marcumar®) und werden vorab besprochen sowie im Falle einer Nierenfunktionsstörung für das Blutzuckermittel Metfformin.

Komplikationen und notwendige Notfallmaßnahmen sind selten. Für weitere Details verweisen wir auf unser Aufklärungsblatt zur Katheteruntersuchung.

PTCA (Perkutane transluminale Koronarangioplastie), PCI (Percutane Koronarangioplastie)

Diese medizinischen Fachbegriffe bezeichnen die Aufweitung von verengten oder verschlossenen Herzkranzgefäßen (Koronargefäßen). Im Bedarfsfall – bei akutem Koronarsyndrom – kann die Intervention unmittelbar an die diagnostische Koronarangiographie angeschlossen werden. Hierin liegt auch der wesentliche Vorteil gegenüber dem Cardio-CT. Nur wichtige Haupt- und Seitgefäße mit einem Innendurchmesser vom mindestens 2 mm werden in der Regel behandelt. Kleinere Gefäße, die weniger als 10 % des Herzmuskels versorgen, sind hingegen prognostisch unbedeutend und daher nur in Ausnahmefällen behandlungsbedürftig. Besser ist diesbezüglich meistens ein konservatives Vorgehen mit geeigneten Medikamenten.

Über im Vergleich zu Diagnostikkathetern lumenstärkeren (6- oder 7-French, entsprechend 2-2,3 mm) Führungskathetern wird das verengte Herzkranzgefäß sondiert. Hierüber wird dann die verengte oder verschlossene Stelle mit einem dünnen Führungsdraht passiert. Dies kann im Einzelfall sehr schwierig sein, v.a. bei stark verkalkten, gewundenen oder gar über lange Zeit verschlossenen Gefäßen. Über den Draht wird dann ein geeigneter Ballon (Durchmesser im entfalteten Zustand meist 2 bis 3,5 mm) in die Engstelle vorgeführt und unter hohem Druck (im Normalfall 10 bis 16 atm., in Einzelfällen bei derber Stenose bis 30 atm) entfaltet. Sollte sich eine Verengung infolge einer starken Verkalkung nicht komplett aufweiten lassen, kann ein Rotablator eingesetzt werden. Es handelt sich um einen olivenförmigen Bohrkopf, der mit kleinen Diamanten besetzt ist. Durch hohe Umdrehungszahlen entstehen beim „Fräsen“ winzigste Partikel, die auch die kleinsten Blutgefäße passieren können.

Nach kompletter Aufweitung der Stenose erfolgt in der Regel eine Stentimplantation. Unter einem Stent versteht man ein filigranes Gitterröhrchen, das auf einem Ballon aufgebracht ist. Durch Entfaltung des Ballons wird der Stent mit hohem Druck in die Gefäßwand gedrückt. So kann das erkrankte Gefäßsegment offengehalten werden. Die alleinige Ballonaufweitung, praktiziert von 1977 bis in die frühen 90er Jahre, war mit häufigen frühen Gefäßverschlüssen und späteren Wiederverengungen (Rezidiven) verbunden.

Seit 2002 sind sogenannte medikamenten-beschichtete Stents (englisch: Drug-eluting Stents, abgekürzt: DES) verfügbar und werden inzwischen fast ausschließlich verwendet. Großer Vorteil der Beschichtung (es handelt sich um Zytostatika, d.h. Medikamente, die zur Verhinderung von Gewebewachstum in der Krebsbehandlung eingesetzt werden) ist die wesentlich seltenere Wiederverengung im Stent (Rezidiv) durch die Bildung von Narbengewebe innerhalb der ersten 6 Monate. Während mit unbeschichteten Stents (Bare-metal Stents, BMS) in 30 % der Fälle (bei besonderer Konstellation bis 50 %) Rezidive auftreten, liegt die Rate bei beschichteten Stents unter 10 %.

Auf diese Weise hat sich Behandlungsspektrum in den letzten Jahren deutlich erweitert. Auch komplizierte Engstellen in Aufzweigungen (Bifurkationen), am Hauptstamm der linken Kranzarterie und chronisch verschlossene Gefäße (englisch: chronic total occlusion, Abkürzung: CTO) können heutzutage erfolgreich über Katheter behandelt werden, während dies in früheren Jahren nur mittels Operation am offenen Herzen (Bypass-Operation) möglich war.

Dennoch gibt es immer noch Konstellationen (z.B. viele komplexe Stenosen, v.a. bei Diabetikern oder begleitender ausgeprägter Herzschwäche), bei denen die Bypass-OP zu langfristig besseren Ergebnissen führt und daher bevorzugt werden sollte.

Trotz aller Fortschritte in der Diagnostik und Behandlung bleibt die Koronare Herzerkrankung potenziell lebensgefährlich. Während früher etwa 30 % der Patienten mit einem akuten Herzinfarkt, die das Krankenhaus lebend erreichten, innerhalb von 30 Tagen Verlauf verstarben, konnte die Rate auf 5-10 % gesenkt werden. Die Sterblichkeit bei einem geplanten Eingriff bei stabiler Symptomatik liegt hingegen heutzutage unter 0,1 %. Zusammengenommen verstarben 2014 in Deutschland 0,99 % aller Patienten während, oder nach einer geplanten oder notfallmäßigen Angioplastie (PCI).

Es hat sich international durchgesetzt schwere Komplikationen wie Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall als MACCE-Rate (Major Adverse Cardiac and Cerebrovascular Events) anzugeben. 2015 betrug sie in Hessen 5,04 % für alle Fälle, in unserem Katheterlabor lag die Rate bei 2,01 %.

Bei nicht planbaren und hochriskanten Notfallpatienten (akuter Herzinfarkt incl. kardiogener Schock) liegt die Rate deutlich höher: Hessen 12,21 %, in unserem Katheterlabor 4,76%.

Verfahren

Das MVZ Kardiologie Main-Taunus ist in Trägerschaft der MVZ CCB Frankfurt und Main-Taunus GbR.

MVZ CCB Frankfurt und Main-Taunus GbR

Cardioangiologisches Centrum Bethanien
am Bethanien- und Markus-Krankenhaus Frankfurt

Tel. 069 / 94 50 28-0
E-Mail: info@ccb.de
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Herzkatheterlabor

Händelstraße 10
60318 Frankfurt am Main

Tel.: 069 / 15008330
E-Mail: info@kardiologie-main-taunus.de